Donnerstag, 4. Oktober 2007

Wohnungssuche

So, nachdem die Stadt ja einigermaßen erkundet war und ich mir einen Überblick über die verschiedenen Viertel und die Entfernungen verschaffen konnte (im Gegensatz zu Berlin bin ich ja von Sydney echt begeistert, da sich wirklich alles Wichtige und Sehenswerte in einem Radius befindet, den man auch locker mal zu Fuß bewältigen kann), war es nun an der Zeit eine weitere Unterkunft zu suchen, da ja Olaf am Mittwoch die Zelte abbrechen sollte und ich auch dann mit ihm aus Sans Souci (so der Name des idyllischen Vorortes) wegziehen wollte.

Auf diversen Webseiten für Shared Accomondation (Wohngemeinschaften) – alles andere ist in Sydney unbezahlbar - hab ich mich dann umgesehen, vieles klang viel versprechend, nur wenn man die Anzeigen näher betrachtete, waren das dann doch immer recht heftige Konditionen unter denen man in Sydney eine günstige Unterkunft finden konnte und sie waren dann doch alle auch irgendwie gleich. Gleichzeitig habe ich dann auch noch die Ampelmasten in der City abgegrast, da dort dann auch immer Zettel mit Abreißstreifen hingen, die immer wieder eine wunderbar nette WG versprachen. Also nahm ich dort ein paar mit und fing an die von mir als noch ganz akzeptable Wohnungen abzuklappern. Nach einer Weile wird einem dann auch klar, dass man zu dem Budget, was einem zur Verfügung steht zwangsläufig dazu gezwungen ist mit mindestens einem anderen Menschen in einem Zimmer zu wohnen.

Ich kann das Angebot schon jetzt (obwohl ich nicht so viel gesehen habe, wie vermutlich einige vor mir – aber dazu bin ich glaube ich einfach zu ungeduldig) in drei Kategorien einteilen, was der Markt da so hergibt.

Wenn man sich in dem Limit von 100 $ bis 170 $ pro Woche bewegt (hier wird alles in Wochen angegeben, berechnet und gezahlt, egal ob Miete, Zugticket oder Gehalt), was in Euro in einem Bereich von 62,50 € bis 106,25 € liegt (letzteres sind ja dann pro Monat schon über 400 Euro) dann hat man die Auswahl zwischen einem Apartmentzimmer, welches man sich aber mit mindest einer aber oft auch mit zwei Flatmates (Mitbewohner) teilen muss, wobei die restlichen Zimmer inklusive des Livingrooms (Wohnzimmer) natürlich auch mit weiteren Mitbewohnern bewohnt werden. Diese Apartments befinden sich meist in den Hochhäusern der City und oft kann man den Pool auf dem Dach mitbenutzen. Allerdings sind die Zustände in den Wohnungen an sich miserabel, was die Sauberkeit, den vorhandenen Platz und Mitbewohner selbst angeht.

Das Appartement das ich anschauen durfte, war dann besonderer Art. Es bestand aus Livingroom und offener Küche und 2 sehr kleinen Zimmern, von dem ich mir eines mit einem anderen Mädchen teilen sollte. Das Mädchen wurde auch erst noch gesucht, also hätte ich nicht gewusst, mit wem ich in diesem Zimmer überhaupt wohnen werde, es hieß nur, es wird wohl eine Engländerin oder eine Französin werden. Der Pool und die dazugehörende Aussicht waren aber nicht zu verachten, wurden mir allerdings auch als erstes gezeigt, um vermutlich dem später folgenden Schock etwas vorzubeugen. Die Besonderheiten dieser Wohnung waren das total voll gemüllte Livingroom, es existierte sozusagen gar nicht. Es war von oben bis unten mit Überbleibsel von vorigen Mietern vollgestopft. Die Küche war auch nicht wirklich begehbar, da ein zweiter Kühlschrank schräg in mitten der kleinen Kochnische stand. Das hatte den Hintergrund, dass bei dieser Wohnung und bei der Miete von 140 $ Essen inbegriffen war, deshalb die zwei Kühlschränke, die auch beide voll mit Essen waren und in dem einen Eisfach war die eine Lage voll mit eingefrorenem Fleisch und die andere mit eingefrorenem Fisch. Obst konnte ich hinter dem einen Kühlschrank dann auch entdecken. Der Vermieter meinte, er würde günstig an Lebensmittel kommen und daher dieses Angebot.
Auch aus dem Müll vom Livingroom hätte man alles, was man irgendwie verwenden hätte können gerne verwenden oder mitnehmen können. Allerdings war diese Wohnung für mich kurzfristig ziemlich interessant aufgrund der horrenden Preise der Lebensmittel in Sydney. Aber den Gedanken hab ich dann doch wieder schnell zerworfen. Irgendwie hab ich mir nicht vorgestellt in einem Hochhaus in Sydney zu wohnen, in dem es zu dem auch wieder nur so von Asiaten wimmelte.

Die zweite Alternative ist eine Unterkunft, die man sich komplett nur mit asiatischen Studenten teilt. Dort ist der Reis immer inklusive (daran erkennt man dann auch bei der Suche ganz leicht, dass es sich um eine solche handelt). Ich hab mir eine angeschaut, ich war mir nicht sicher, ob es eine solche Unterkunft ist und dachte, ich schau sie mir einfach mal an, aber je näher ich der Straße und der Hausnummer in dem Stadtteil Ultimo kam wurde mir doch immer klarer, dass es sich um eine solche Unterkunft handeln muss. Abgeholt wurde ich dann auch von einem wirklich sehr netten Asiaten (es tut mir leid, ich kann leider die verschiedenen Nationalitäten – hier in Sydney sind es hauptsächlich Japaner, Chinesen und Koreaner) noch nicht unterscheiden, aber vielleicht ja dann nach meinem Sydneyaufenthalt ;o) und wurde in eine nette, kleine schnuckelige, ruhige Apartmentanlage geführt. Ich hab mir die Wohnung angeschaut, aber ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, der einzige Europäer zu sein. Im Übrigens ließen auch dort die Umstände zu wünschen übrig, die Küche war total vollgestellt, es gab absolut keinen leeren Platz und im dazugehörigen Wohnraum hatte natürlich auch ein Mädel seinen Schlafplatz, der nur mit Tüchern abgetrennt war. Man muss natürlich auch bedenken, dass dort schon allein durch die anderen Kochgewohnheiten ein für uns ungewohnter und vielleicht auch unangenehmer Geruch vorherrscht.

Die dritte Alternative ist dann eine Riesen-WG in einem kleinen Häuschen, was meist dann eine Art Reihenhaus ist. Von außen sind die total niedlich und viele sicherlich auch von innen wenn sie von einer Familie bewohnt werden. Aber diese Reihenhäuschen werden dann eben auch gerne mit internationalen Studenten und Backpackern vollgepackt. Das war dann meine letzte Besichtigung. Montagmorgen um 10 Uhr (dafür durfte ich schon um 8 aufstehen, damit ich aus meinem Vorort auch pünktlich dort ankomme. Am Montag war hier Labourday, also Tag der Arbeit und Feiertag. Ich hatte deshalb keine Schule). Natürlich hatte ich wieder etwas überzogene Vorstellungen, wie zum Beispiel, dass das mal eine echte WG ist, die einen Nachmieter sucht, aber es war dann wieder mal der Besitzer, der nur das bestmöglichste aus seiner Immobilie rausholen will. Die Sauberkeit lässt natürlich auch hier zu wünschen übrig. Aber es gab zwei Zimmer zur Auswahl, ein etwas größeres Zimmer mit zwei getrennten Einzelbetten (es gibt ja manchmal auch Doppelbetten, die aber dann doch großzügigerweise an Pärchen oder Freunde vermietet werden möchten) und ein ziemlich kleines Zimmer in dem ein Stockbett stand (!). Am Telefon hat mich Pepe, der Vermieter bereits gefragt, ob ich auch mit einem Jungen in ein Zimmer ziehen würde. Mir war mittlerweile ziemlich vieles egal und somit auch das. In beiden Zimmern wusste ich sollte je ein Deutscher wohnen. Bevor ich allerdings das zweite kleinere Zimmer sah, traf ich im „Wohnzimmer“ die beiden Jungs und der eine meinte gleich, wenn ich das obere Zimmer nehmen würde, dann wär er der Mitbewohner dazu und dass er ganz nett sei. Pepe hat mir dann noch das ganze Haus gezeigt. Es wohnen ungefähr 10 Leute drin (natürlich je zwei Personen in einem Zimmer) und sehr international, wie gesagt, die Deutschen, Brasilianer, Engländer und ein Koreaner. Die Küche ist jetzt auch nicht berauschend aber die Wohnung im gesamten ist wie alle anderen mit dem Notwendigsten ausgestatten, W-Lan, Waschmaschine, Bügeleisen, Fernseher, Mikrowelle, zwei Kühlschränke etc. Ich hab mich dann mit den zwei Jungs noch unterhalten, die auch erst seit zwei Tagen da waren. Der eine der im anderen Zimmer wohnt ist auch mal wieder ausm Schwabenländle – aus der Nähe von Ludwigsburg.
Die jetzige Situation, dass ich jetzt wenigstens schon wusste mit wem ich in einem Zimmer zusammen wohnen würde, machte mir die Sache so sympathisch, dass es für mich schnell klar war, dass ich dort zuschlagen würde. Da ich von dort auch in die Schule und zu meinem Job laufen kann und ich somit den teuren Zug sparen kann (leider bekommen wir, obwohl wir Sprachschüler sind keinen Studentenrabatt aufs Fahrticket) wollte ich dann auch gleich mal schauen, wie weit es von dort zur Schule ist. Da Micha das auch interessierte und er aber zum Darling Harbour zu seiner Arbeitsstelle muss, sind wir zusammen losgelaufen und sind unsere Wege zusammen abgelaufen und haben dann noch den halben Nachmittag am Darling Harbour (der Touri- und Erlebnishafen) verbracht.

Zu diesem Zeitpunkt war es noch so, dass ein Mädel bei ihm im Zimmer wohnte, die aber bis Freitag gezahlt hatte, aber so schnell wie möglich nach Perth wollte, nur noch keinen Flug hatte. Ich musste ja eigentlich bis Mittwoch raus sein.

Aber das hat sich mittlerweile alles geregelt, meine erste Unterkunft konnte ich um zwei Tage verlängern und heute Mittag (Mittwoch) hab ich die Bestätigung bekommen, dass ab Freitag das Zimmer - äh ich meine natürlich das Bett - frei ist. Olaf ist heute bereits nach Thailand unterwegs und mir ist es gar nicht so unrecht hier noch zwei Tage länger zu bleiben, da ich jetzt echt gemerkt habe, dass abgesehen von dem fehlenden Internetzugang und eben dem langen Anfahrtsweg das hier echter Luxus ist. Ich hab mein eigenes „Zimmer“, ein bequemes Doppelbett, eine aufgeräumte, gut ausgestattete Küche, ein richtiges Wohnzimmer, eine Stereoanlage, eine wunderschöne Terrasse und meine Ruhe.

Hier regelt sich sowieso alles fast von selber, da ja Olaf weiterreist und nicht soviel mitnehmen konnte, konnte ich nun von ihm so einige Sachen übernehmen, wie Bettdecke (fraglich, ob die in meiner neuen Unterkunft vorhanden ist), Fön, Steckdosenadapter, Lebensmittel etc.

An Olafs letzten Abend (Dienstagabend) waren wir dann auch noch mal in dem Steakhaus um die Ecke. Ich muss echt sagen, dass er mich hier mit offenen Armen empfangen hat, mir für die Anfangszeit eine riesen Hilfe war und ich dadurch einen super Start hier hatte! Merci!

Ach ja und die Unterkunft, in der ich ab Freitag wohnen werde kostet mich genauso viel wie meine super schnuckelige, saubere Zweier-WG in Berlin, in der ich mein eigenes Zimmer mit eigener Tür habe (300 Euro). Für das Häuschen in der Pampa zahle ich 20 $ für die Nacht.

Hier noch ein paar Bilder von der Sandringham Street....




3 Kommentare:

Judith hat gesagt…

Steffi, ich wünsche Dir ganz viel Glück beim Einleben! Auch wenn diese Zustände sicher nicht die Besten sind... Aber das war zu erwarten ;)

steffi-downunder hat gesagt…

Ich finds eigentlich gar nicht so schlimm, heute wird meine erste Nacht in der Unterkunft sein... bin ja schon gespannt. Und ist ja auch erstmal nur fuer vier Wochen...

Allerdings sind die Deutschen hier in der Schule nicht sonderlich zugaenglich. Ich hab halt auch keine Deutschen in der Klasse... Mal sehen, was das Wochenende ergibt...

Judith hat gesagt…

hey, du bist nicht in australien um deutsche kennenzulernen! :P