Samstag, 4. Oktober 2008

Meine Reise geht los - erstes Ziel: Canberra

Ich hatte mir ja lang überlegt, wie ich nach Melbourne reise (wo ich dann Christina und ihren Mann besuchte, die ich bei Le Creuset kennen gelernt habe), aber schlussendlich hat der Greyhound Bus das Rennen gemacht, da man hier die Route über Canberra wählen konnte und teuer wars eigentlich auch nicht für die Strecke (knapp 50 $).

Also bin ich Donnerstag (10.4.08) um 6:30 aufgestanden und um 8 Uhr gings dann mit dem Bus Richtung Canberra, der Bus war nicht voll, also war die Fahrt echt angenehm, allerdings ein riesen Unterschied zu dem OZ Experience den ich an der East Coast genutzt hatte. Bei diesem Busunternehmen sind die Busfahrer auch gleichzeitig Unterhalter und Guides, die einem Wissenswertes über die Gegenden oder Städte, durch die man fährt, erzählen, Hostels buchen und eigentlich 24 h für einen da sind, wenn man sie braucht. Die Guides sind recht jung und das Publikum natürlich auch, allerdings hab ich es nicht als Partybus erlebt, so wie es aber oft kommuniziert wird. Der Greyhound ist da wie der alte gesetzte Opa des OZ Experience. Die Busfahrer erklären einem nur das Nötigste, sind nicht unbedingt freundlich bzw. herzlich und die anderen Mitfahrer sind auch etwas seltsam und im Durchschnitt wesentlich älter. Allerdings kann man Glück haben und sie legen eine recht aktuelle DVD ein.



Um zwölf kamen wir dann in Canberra an und ich machte mich auf die Suche nach der Jugendherberge, in der ich mich eingebucht hatte. Dazu muss man ja sagen, dass ich es eigentlich vermeide in Jugendherbergen unterzukommen (mir ist die Mitgliedschaft ein Dorn im Auge und die Leute sind meist auch recht schräg), aber in Canberra gibt es nicht viele Auswahlmöglichkeiten. Um den Weg zu finden stand ich dann mit meinem Lonely Planet an einer Straßenecke und versuchte mich zu orientieren. Da kam sofort ein älterer Herr auf mich zu und fragte, ob er mir helfen könne und hat mir im kleinsten Detail erklärt, wie ich an mein Ziel komme. Da könnte man in Berlin einen ganzen Tag mit ner Karte in der Hand an einer Straßenecke stehen und es würde nichts passieren. An meinem Etappenziel angekommen, wusste ich wieder, warum ich nicht gerne Jugendherbergen nutze. Die Angestellten waren unfreundlich und bei der Frage, ob sie mein Gepäck am nächsten Tag nach dem Auschecken für mich einlagern könnten bekam ich als Antwort, dass es im ersten Stock Spinds gab, die ich nutzen könne... der Preis hat mich dann auch schier umgehauen, ich glaub 8 Dollar für vier Stunden oder so. Dafür waren die Zimmer echt riesig, die Betten super und man hatte eine eigene Bettlampe zum Lesen. Das fehlt in den meisten Hostels. Entweder man stört die anderen, indem man das Licht anmacht, oder man muss raus zum Lesen, was natürlich auch irgendwie doof ist.

Da ich schon eine super Erfahrung mit einer free guided Tour in Botanischen Garten in Sydney gemacht hatte, wollte ich auch an der in Canberra teilnehmen, die ich im Netz entdeckt hatte und machte mich dafür auf den Weg zum Bus, da die Tour um 14 Uhr statt finden sollte. Allerdings war das nicht wirklich einfach, da sogar die Busfahrerin irgendwie Probleme hatte mir die richtige Bushaltestelle zu nennen. Zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass ja alle Australier immer sehr freundlich sind und immer ihr bestmöglichsten geben einem zu helfen. Sie hat mich dann irgendwo in der Pampa rausgelassen, dort war keine Bushaltestelle und meinte ich müsse nur da schräg übers Feld laufen und wäre schon da.... Jo, so einfach und so nah war es dann doch nicht und ich dachte schon, ich verpasse die Tour. Aber irgendwie hab ich es dann doch noch geschafft und bin grad so Punkt 14 Uhr vor dem Visitorcentre eingetrudelt. Ich hatte eine kleine Gruppe von Leuten erwartet, die darauf warten, dass es los ging und schon wieder dachte ich, Mist, die sind schon los... Doch dann kam ein etwas älterer Herr mit einer jungen Frau aus dem Center und es stellte sich heraus, dass er der Guide ist und sie meine Gruppe ;o). Da es so schien, dass es keine weiteren Interessenten gab, sind wir also zu dritt los. Die Tour war wieder sehr informativ und wir haben viel über die Australische Fauna und auch einiges über die Vögel und Tiere, die darin leben, gelernt. Unter anderem haben wir viele Banksia-Arten gesehen, die wirklich sehr schöne Blüten und auch Samenstände ausbilden, sehr typisch für die Australische Fauna sind und in ca. 70 verschiedenen Formen vorkommen. Eine witzige Pflanze ist die Bottlebrush, die Blüte sieht wirklich aus wie eine Flaschenbürste und gibt es auch in den verschiedensten Farben. Auch sehr schön war der Rainforrest Gully, ein kleiner Regenwaldstreifen und der Eucalyptus Lawn, ein kleines Stück Eukalyptuswald. Mir gefallen Eukalyptuswälder ganz besonders, da die hellen weißgefleckten Stämme und die hellgrünen Blätter ein ganz besonderes Grün erzeugen, was in Australien als das Gumtreegreen bezeichnet wird und mich auch noch eine Weile verfolgen wird. (Eukalyptusbäume und Gumtrees sind das gleiche). (Bilder geklaut von der Webseite des Botanischen Gartens).



Was für mich eigentlich auch recht interessant war, dass der Garten erst vor ca. 60 Jahre angelegt wurde, die Stadt an sich ist ja auch grad mal knapp hundert Jahre alt, schon seltsam für die Hauptstadt eines Landes. Nach der Führung sind Selina und ich noch zusammen ein bisschen durch den Garten spaziert und haben uns ganz nett unterhalten. Sie war mit ihrem Freund in Canberra, der allerdings arbeiten mußte. Sie ist eigentlich Kanadierin, lebt aber schon seit ein paar Jahren etwas südlich von Sydney. Da sie sonst auch niemanden in der Stadt kannte verabredeten wir uns für den nächsten Vormittag für die Besichtigung und die kostenlosen Führungen im alten und neuen Parlament. Ich hatte das für mich schon so geplant, da ich ja bereits um 13:30 wieder in den Bus Richtung Melbourne steigen musste und hab mich sehr darüber gefreut, dass Selina mit mir mitkommen wollte. Ich hatte nur einen Tag in Canberra geplant, da jeder sagte, dass mehr einfach zu viel wäre, aber ich hab es im Nachhinein bereut und hätte noch einen zusätzlichen Tag gut gebrauchen können.

Da das mit dem Bus ja nicht so einfach war und da ich nicht wusste, wo eine Bushaltestelle ist und das Wetter ja echt schön war, beschloss ich, den kompletten Weg zur Jugendherberge am großen Stadtsee entlang zu laufen. Kurz zur Stadt: Canberra ist eine Planhauptstadt und wurde geografisch zwischen den beiden konkurrierenden Städten Melbourne und Sydney als Kompromisslösung künstlich 1908 angelegt. Aber wer sich noch detaillierter dafür interessiert findet ganz gute Infos bei Wiki und hier auch ne Karte, dass man sich das vorstellen kann. Der Parlamentsbereich ist durch den See von der City getrennt und bei den Distanzen kann man sich ganz schön verschätzen (die Jugendherberge war in der City).

Ich war ja im Australischen Herbst in Canberra und was einem da als Europäer besonders auffällt ist, dass es hier sehr viele europäische Bäume gibt, die ihre Blätter verfärben, was es ja in Australien eher weniger gibt. Das war aber von den Stadtdesignern Absicht und diese Bäume stehen natürlich für die englischen Wurzeln der Gründungsherren und der Mehrzahl der Bevölkerung.






Der Weg war ganz schön lang und so kam ich dann recht spät in der Jugendherberge an, hab mir dann nur noch schnell was zu essen besorgt - die City war auch ziemlich ausgestorben - und somit hielt mich dann noch kurz der Fernseher und mein Buch ein paar Seiten wach.

Freitag bin ich dann um sieben aufgestanden, da ich mir vorgenommen hatte, den Weg zum Old Parliament zu laufen um die schöne Aussicht über Stadt von der Brücke aus und die erste Führung um 9:30 mitzunehmen. Danach sind Selina und ich zur Aboriginal Tent Embassy, die sich auf der Wiese genau vor dem alten Parlament befindet. Ich hatte davon schon von Niamph gehört, konnte mir es aber nicht richtig vorstellen. Aber es ist wirklich so, wie der Name sagt, auf der Wiese stehen handelsübliche Zelte, wo Aborigines dauerhaft leben. Niamph meinte schon, man müsse Glück haben auf einen Bewohner dieser Zeltbotschaft zu treffen und wenn man sie antrifft sind sie mal mehr und mal weniger gesprächig. Hm, wir haben einen getroffen und dieser war auch gesprächig und sagte gleich, dass sie hier protestieren würden, weil ihnen immer noch nicht Land ausgehändigt wurde, was aber ihnen aber vertraglich von der australischen Regierung versprochen wurde. Und damit war ich verwirrt.. ich dachte es ist eine Botschaft und nicht ein Protest gegen irgendwelche Missstände. Da ich aber das Thema einfach zu heikel befand und mich auch viel zu wenig damit auskenne, hab ich es dabei auch belassen und auch Selina, die auf Englisch vielleicht diplomatischer an die Erörterung dieses Themas herangehen hätte können, hielt sich zurück.



Also machten wir uns auf zum neuen Parlament und zur nächsten Führung um 11 Uhr. Das Gebäude hat mich schon sehr fasziniert, denn die Halle war schon sehr beeindruckend gestaltet. Sie war mit vielen Säulen bestückt, die genau in diesem Gumtreegrün gehalten waren und somit einen für diese Gegend typischen Eukalyptuswald nach empfinden sollten. Die Wände waren geschmückt mit Holzintarsien, die alle einheimische Gewächse, Pflanzen, Blüten oder Samen darstellten. Das war sehr beeindruckend. Hinter der Eingangshalle befindet sich die Great Hall, die auch der Öffentlichkeit zuganglich ist. Hier befindet sich nochmal etwas besonderes. Ein riesen großer Wandteppich, der einem Gemälde nachempfunden wurde, auf dem auch der typische Eykalyptuswald mit einem weißen Kakadu dargestellt ist.

Wie auch im alten Parlament wurden wir auch im Neuen in das Repräsentantenhaus und in den Senat geführt. Die Besonderheit ist hier, dass die beiden Bereiche farblich von einander getrennt sind. Alle Räume des Repräsentantenhaus sind in Grün gehalten und die des Senats in Rot. Das hat die Bedeutung, dass wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden, wird dies über spezielle Glocken im ganzen Haus kommuniziert. Allerdings mussten die Beteiligten innerhalb weniger Minuten in der entsprechenden Halle zusammen kommen. Wer zu spät ist, steht vor verschossener Tür und kann seine Stimme nicht abgeben. Deshalb sind überall diese Glocken mit Uhren und Lämpchen versehen, die dann in der entsprechenden Farbe leuchten. Das alte Parlament bedient sich einem ordinären knalligen Rot und einem satten Grün. Im neuen Parlament ist es allerdings schon etwas subtiler. Das Repräsentantenhaus ist in dem bereits erwähnten Gumtreegreen gehalten, was mit einem Mintgrün zu vergleichen ist und der Senat in einem Altrosa, was ich eher als etwas unglücklich gewählt empfinde. Es soll die rote Erde des Outbacks darstellen, wobei ich da noch nicht mal eine Ähnlichkeit entdecken kann. Aber dieses Grün sollte mir auf meiner Reise noch mal begegnen. Nach der Führung sind wir noch aufs Dach des Parlaments von wo man einen tollen Ausblick auf die Stadtanlage hat.






So, und dann musste ich mich aber beeilen, da ich ja um 13:3o wieder am Bus sein musste.

Eigentlich wollte ich mich schon vor der Führung nach einem Bus zurück in die City erkundigen, aber so weit ich noch weiß, hat mich die Dame an der Info auf nach der Führung vertröstet und da ich auch dachte, dass die Busse im 10 Minutentakt fahren würden, machte ich mir vorerst keine Sorgen. Als ich dann allerdings den Bus grad vor meiner Nase wegfahren sah (Selina ist noch im Parlament geblieben) und nun auch wusste dass so schnell keiner mehr fahren würde, brach bei mir ein wenig Panik aus. Okay, dachte ich, dann lauf ich eben schon mal in Richtung Stadt und vielleicht kommt dann noch mal ne Bushaltestelle. Tja, leider hab ich mich dann total verlaufen und war plötzlich in einem Gewirr von Auf- und Abfahrten der Schnellstraßen gefangen. Da war ich der Verzweiflung nahe und mir schwante, dass ich den Bus nach Melbourne nicht mehr bekommen würde (ich musste ja auch noch mein Gepäck aus der Jugendherberge holen). Es gab weit und breit keine Gebäude, freilaufende Menschen oder sonst etwas was mir helfen konnte, geschweige denn die Möglichkeit ein Auto anzuhalten. Plötzlich entdeckte ich in der Pampa ein einziges Gebäude auf der anderen Straßenseite. Also bin ich rüber um zu entdecken, dass de Tür verschlossen war. Wieder nichts... Ich hab an der Tür gerüttelt und plötzlich sah ich jemanden auf die Tür zukommen. Welch eine Erleichterung! Noch total außer Atem hab ich dem Mann erklärt, was mein Problem ist und ich muss sehr verzweifelt ausgesehen haben. Er fragte mich besorgt, ob er mir ein Taxi bestellen soll und ich nickte nur dankbar. Ich hatte noch eine halbe Stunde. Als er zurück war, fragte er, ob ich was zum trinken möchte und ich solle mich doch auf die Bank gleich neben mir setzen. Nun kam auch eine Frau aus dem Gebäude, sie hatte einen Kaffee in der Hand und fragte sehr freundlich was denn los wäre und ich erklärte ihr noch mal alles. Da sah ich auch schon Besorgnis in ihrem Gesicht und sie erkundigte sich noch mal, wann mein Bus denn fahren würde. Darauf hin erklärte sie mir, dass ich das mit dem Taxi nicht schaffen würde, da es bis zu einer halben Stunde dauern könnte bis es kommt. Ich glaub ich war den Tränen nah... Und dann die Rettung: Sie bot mir einen Lift in die Stadt. Sie meinte: "Ach, ich fahr Dich kurz, das Wetter ist so schön und ich hab grad Pause, da kann ich das kurz machen." Und schon saß ich in ihrem Sportwagencabrio. Was ein Glück! Die Fahrt dauerte grad mal zehn Minuten, aber in der kurzen Zeit hatte sie schon viel über sich und Canberra erzählt. Sie hatte einen behinderten Sohn und erklärte mir, dass Canberra sehr behindertenfreundlich ist und somit für sie und ihre Familie perfekt. Sie meinte auch, dass Canberra den schlechten Ruf, den es hat, gar nicht verdient hat (was ich ja auch schon vermutet hatte). Canberra liegt nämlich genau gleich weit von der Küste wie auch von den Snowy Mountains entfernt. In 1,5 Stunden ist man im Sommer am Meer und im Winter in den Bergen. Außerdem sei das Wetter hier sehr oft besser als in Sydney oder Melbourne, was ich ja auch nur bestätigen konnte, nach dem schlechten Wetter in Sydney hat mich ja in Canberra die Sonne erwartet. Sie hat mich dann bis fast zur Jugendherberge gefahren und somit hatte ich noch genügend Zeit mein Gepäck zu holen und zum Busbahnhof zu laufen... Puuuuuhhhhhhhhhhh! Das war echt prenzlig.

Nun standen mir 8 Stunden im Bus bevor. Leider war er diesmal sehr voll und auch meine Nebensitzerin war nicht grad begeistert, dass sie den Sitz nicht für sich alleine hatte. Aber zum Glück war ganz hinten noch ein Doppelsitz frei den ich mir unter den Nagel gerissen habe. Dadurch hatte ich zwar schlechte Sicht auf den Bildschirm bzw. den Film, aber ich konnte mich auch anders beschäftigen. In Melbourne haben Christina und Sascha mich abgeholt. Bei Ihnen zuhause haben wir nur kurz geredet und sind dann alle kaputt ins Bett gefallen, die beiden von ihrer Arbeitswoche und ich von meinem ereignisreichen Tag. Aber für mich war es himmlisch, nach über 6 Monaten zum ersten Mal wieder ein Zimmer für mich alleine und dazu noch mit einem Doppelbett.... herrlich!

5 Kommentare:

Judith hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Judith hat gesagt…

mensch, da hast du ja mal wieder ganz schön viel erlebt ;) irgendwo bei canberra habe ich auch entfernte verwandte...

scheinen ja echt hilfsbereit zu sein, die australier! oh mann, kann mich sehr in deinen stress hinein versetzen, den bus noch zu erwischen :-/

und jaaa, ich will auch eine flaschenbürsten-pflanze haben :P

steffi-downunder hat gesagt…

Ja, und das in grob überschlagenen 24 h. Und ich hab mal geschaut wieviel ich geschrieben habe (habs in Word reinkopert - vier volle DinA4 Seiten), kanns verstehen, dass das manchen zu viel ist zu lesen, aber schön, dass Du Dir die Zeit nimmst! Und bei Deinem eigenen Blog warst ja auch heut ja auch ganz schön fleißig!

Auch wenn die Australier freundschaftstechnisch als oberflächlich gelten, hilfbereit sind nahezu alle und nahezu immer.

Konnte leider keine Bottlebrush mitnehmen, hatte ja schon viele schöne Samen für meine Mutter gesammelt. Die hätt sich riesig gefreut. Allerdings ist es nicht erlaubt, die ins Ausland zu verschicken oder gar persönlich auszuführen :o(

Judith hat gesagt…

ja, es ist viel zu lesen und die namen der menschen dort kann ich mir leider nicht merken und im nachhinein auch nicht mehr irgendwelchen erlebnissen oder gar fotos zuordnen.

aber egal... hauptsache ich weiß grob was du so erlebt hast ;)

steffi-downunder hat gesagt…

Das macht ja nix!!!! :o)